Die Tribute von Panem – The Hunger Games (2012) Rezension

Die Tribute von Panem oder im englischen Original „The Hunger Games“ ist die Verfilmung der gleichnamigen Buche-Trilogie. Wir können also noch zwei weitere Filme erwarten und meines Wissens nach ist der Nächste für 2015 angesetzt. Es war ein großer Zufall das, bevor ich den Film sah, das Buch gelesen habe. Aber dazu später mehr, gehen wir zuerst etwas auf den Hinterfund und die Handlung ein.

Die Handlung spielt in Panem, den dystopischen Vereinigten Staaten von Amerika in einer nicht näher definierten Zukunft. Das Land ist in vierzehn Distrikte unterteilt, dreizehn die Ressourcen erwirtschaften und dem Regierungsdistrikt (der im Allgemeinen nicht gezählt wird). Es kommt zu einem Aufstand, der nach kurzen aber blutigen Kämpfen vom technologisch überlegenden Regierungsdistrikt beendet wird, indem Distrikt 13 mit biologischen/chemischen Massenvernichtungswaffen ausgelöscht wird. Als Vergeltung für den Aufstand und um die verbleibenden 12 Distrikte an ihre Niederlage und Unterlegenheit zu erinnern werden die sogenannten Hunger Spiele eingeführt. Jährlich wird aus jedem, der ehemals aufständigen Distrikte, ein Junge und ein Mädchen im Alter von 12 bis 18 mittels eines Losverfahrens ermittelt die daran Teilnehmen müssen. Diese 24 Tribute werden in einem (zufälligen) Gebiet ausgesetzt und müssen gegeneinander Kämpfen, bis nur noch einer übrig ist. Der Regierungsdistrikt inszeniert das Ganze als grandiose Aufführung mit umfassender Liveübertragung vom Tag der Losziehung, bis zum Ende mit der Rückkehr des Siegers in seinen Heimat-Distrikt.
Die Tribute aus dem (Kohlebergbau Distrikt 12) sind Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) und Peeta Mellark (Josh Hutcherson). Der Mentor der beiden Haymitch Abernathy (Woody Harrelson) und Effie Trinket (Elizabeth Banks) die zuständige „Aufpasserin“ für Distrikt 12. Es gibt noch weitere wie den besten Freund und Jagdkumpan von Katniss Gale Hawthorne (Liam Hemsworth) aber ich möchte hier nicht eine große Aufzählung veranstalten, denn die spielen im Film kaum eine Rolle und sind bestenfalls Statisten.
Die Hunger Spiele sind mehr als nur ein bloßer Überlebenskampf, zugleich heischen Sie um die Gunst der Zuschauer. Denn reiche Sponsoren können sich ins Geschehen einmischen, indem sie ihren Favoriten Geschenke (Essen, Medizin, Werkzeuge, Waffen, etc.) machen, die sie am Leben erhalten. Auf diese Weise wollen Sie ihrem Favoriten zum Sieg verhelfen und sich selber zu den Gewinnen der Wetten die nebenher abgeschlossen werden.
Distrikt 12 gehört normalerweise zu den Verlierern und hat in den vorangegangenen 73 Spielen nur zwei Gewinner zu Tage gebracht, der letzte war Haymitch Abernathy vor 24 Jahren. Trotzdem schaffen es die beiden Tribute Eindruck von beinahe Tag eins an zu machen. Katniss meldet sich bei der Losziehung freiwillig um so ihre 12 Jährige Schwester Primrose Everdeen vor den Spielen zu verschonen. Peeta Mellark lässt währen der Interviews vor den Spielen die sprichwörtliche Bombe platzten, das er in Katniss verliebt ist. Das macht sie zu den tragischen Liebesduo (es kann ja nur einer Überleben) und zu dem Favoriten des Publikums. Katniss ist von dieser Offenbarung total Überrascht (und verstört), versucht aber unter dem Einfluss von Haymitch die Fassade des Liebespaares aufrecht zu erhalten und weiterhin in der Gunst der Zuschauer zu stehen. Dies bringt Katniss in eine prekäre Situation, denn eigentlich hat sie von Liebe keine Ahnung/Interesse. Ihr komplettes bisheriges Leben war ein Kampf mit dem Hungertod für sie, ihre Familie und ihren Distrikt. Aus der Farce wird Realität als Katniss beginnt im Laufe der Spiele wirklich Gefühle für Peeta zu entwickeln. Die Epiphanie das sie ihre Beziehung mit Gale ausbauen möchte, kompletiert das Liebesdrama bei weitem noch nicht. Öffentlich muss sie sich zu Peeta bekennen, sonst bricht nicht nur die Unterstützung der Zuschauer weg. Auch der Regierungsdistrikt hat aktives Interesse daran dieses Szenario für die Zuschauer und den Status Quo in den Distrikten aufrecht zu erhalten. Denn eine neuer Aufstand schwelt bereits.

Die Leser, die den Film schon gesehen haben, werden sich jetzt Fragen, was ich die ganze Zeit hier schreibe. Das Meiste was ich hier zum besten gebe ist nur schwer oder gar nicht aus dem Film ersichtlich, der lässt einen Großteil des einfach Buches weg oder schreibt ihn um. Sehr zu meinem Bedauern, aber ich kann verstehen, warum die Produzenten sich so entschieden haben.
Die buchgetreue Umsetzung würde das drei Stundenmaß bei Weitem sprengen und vieles im Buch wird in Narrationen erzählt, was sich nur schwer oder gar nicht im Film umsetzten lässt. Trotzdem hätte sich einiges besser machen können. Im Buch verbringen, leiden und sterben die Tribute mehr als zwei Wochen in der Arena der Hunger Spiele. Katniss ist mehr als nur einmal dem Tode und dem emotionalen Zusammenbruch nahe. Im Film wird das aber in einer gefühlten halben Stunde abgehandelt. Der Zuschauer wird von einer Situation zur nächsten gejagt und hat keine Möglichkeit die Höhen und Tiefen auf sich wirken zu lassen.
Als einfacher Vergleich würde ich sagen, das Bruce Willis in Stirb Langsam 1 nicht den gleichen Effekt erzielt hätte wenn er nach 20 Minuten nach betreten des Nakatomi Towers schon alle Terroristen erledigt hätte und sich nicht blutend die Hälfte des Films von Szene zu Szene rettet. Ein weiteres sehr großes Problem von mir ist das das komplette Szenario nicht neu für mich ist. Nehmen wir Running Man, Rollerball oder Battle Royale, die haben einen sehr ähnlichen Grundaufbau, was das ganze “Brot und Spiele” Szenario betrifft und meiner Meinung nach machen alle drei Filme das besser als die Hunger Spiele. Running Man zeigt eine viel deutlichere Interaktion des Publikums, Rollerball das die Spiele eine reale Auswirkung auf die Außenwelt haben und Battle Royale eine bessere Situations- und Kampfchoreographie. Katniss rennt, rutscht, fällt von Szene zu Szene und jeder Kampf ist so verwackelt das ich permanent das Gefühl habe der Kameramann hat einen Epileptischen Anfall.

Final kann ich nur sagen, hätte ich das Buch nicht gelesen wüsste ich wahrscheinlich die meiste Zeit nicht, was wirklich gerade los ist. Obwohl das die Ereignisse sind so beschleunigt und aneinandergereiht sind, kann der Zuschauer verstehen was gerade passiert. Die tieferen Hintergründe und Implikationen auf die Charaktere sind zwar nur schwer oder gar nicht zu verstehen, aber wenigstens kann man es erahnen. Leider bleiben die Charaktere im Film nur eine Karikatur der im Buch oder sind komplett umgeschrieben. Ignoriert den Film und lest das Buch, das ist günstiger und ihr habt mehr davon. Auch wenn das Buch ein paar zähe Stellen hat.

(4/10) (Film) / (7.5/10) (Buch)