Die längsten Tage – Tag 07: Vom Nordkap nach Oslo

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Zu unserer üblichen Frühstückszeit (gegen acht) trafen wir uns und hielten Kriegsrat. Da wir gestern schon das Nordkap besucht hatten, war für heute nicht mehr viel auf dem Programm. Es gibt hier zwar noch ein Museum, aber das hat Sonntags geschlossen. Was ja sehr sinnvoll ist für ein Museum.

Nach kurzer Internet Recherche, fanden wir heraus dass es hier in der Komune Nordkapp nichts mehr zu sehen gibt, was offen hat oder auf das wir Lust haben. Also beluden wir unsern treuen Mietwagen (Suzuki S4 S-Cross), der mir wirklich sehr gut gefallen hat, zum letzten mal und fuhren los. Wir alle waren wie immer auf der Hut vor Rentieren, meine Eltern eher, um sie noch einmal zu sehen und wenn möglich zu fotografieren und ich aus Angst, dass die mir ins Auto rennen. Das tolle an einem Mietwagen ist (im Vergleich zum Bus), dass man überall wo man will (und kann) anhalten und sich umsehen kann. Dies haben wir auch rege in Anspruch genommen und so haben viel länger für die Fahrt gebraucht als ursprünglich angenommen. Einige Zeit haben wir in einem Imbiss gebraucht, einer sehr rustikalen, nordischen Interpretation eines amerikanischen Saloons.P1010732

Wieder in Alta angekommen hatten wir noch gute drei Stunden Zeit bis zu unserem Flug nach Oslo und so beschlossen wir zum letzten Mal einen Kaffee im Museum zu trinken, hier hat man nämlich einen wunderbaren Blick auf den Fjord. Heute war es jedoch nicht so. Die Fenster waren mit schwarzen Folien verhangen, da im Empfangsraum ein Beamer aufgebaut war, über den ein paar Niederländer und zwangsweise der Rest des Gebäudes mit Informationen beschallt wurde. Wir tranken unseren Kaffee dennoch und machten uns auf zum Flughafen, im Museum war es uns zu ungemütlich geworden.

Die Abgabe des Mietwagens, Bordkarten lösen, Gepäck abgeben und die Sicherheitskontrolle haben wir in Rekordzeit abgeschlossen. Wenn wir länger als eine halbe Stunde gebraucht haben sollten, ist das lange gewesen. Aber der Flughafen ist auch so massiv hier, das er sich vier ganze Gates leistet. Damit das nicht so massiv klingt, haben sie auch bei Gate 21 angefangen zu zählen und haben bei 24 aufgehört. Jede von diesen Türen liegt vielleicht 50 Meter auseinander und nur der Ordnungsinn verhindert, dass hier keiner wild durch die Gegend rennt und so tut als wäre er ein Flugzeug. Aber trotz dieser unscheinbaren Größe hat dieser Flughafen in manchen Bereichen mehr drauf als Frankfurt. Zum Beispiel gibt es hier Kaffee, der den Namen verdient und das WLAN ist für 2 Stunden Frustfrei kostenlos nutzbar. Diese zwei Stunden habe ich auch beinahe komplett ausnutzen können, da die Abflugzeit zweimal nach hinten korrigiert wurde. Jedesmal hat mir Norwegian Air eine SMS geschrieben. Diesen Service finde ich richtig angenehm. Wir saßen direkt an einer großen Panoramascheibe und konnten unserem verspätetem Flugzeug zusehen wie es landete, entladen, aufgetankt und von Passagieren befreit wurde. Nach kürzester Zeit mussten wir die mindestens 30 Meter vom Gate direkt zum Flugzeug laufen, so massiv ist dieser Flughafen. Unser letzter Inlandsflug hatte auch Verspätung beim Abflug und hat diese im Flug wieder aufgeholt, so auch der heutige Flug. Ich habe keine Ahnung wie die das hinbekommen. Die sollten dieses Geheimnis auf jeden Fall der Deutschen Bahn verraten, die kann das eindeutig gebrauchen.

Wie dem auch sei, wir kämpften uns bis zum Gepäckband durch und mussten nur kurz auf unsere Koffer warten. Nach kurzer Recherche entschieden wir uns dazu, ein Taxi zum Hotel zu nehmen. Dies ist vielleicht nicht die kostengünstigste Lösung, aber die einfachste. So suchten wir die Taxi-Terminals auf. Hier kann man an einem Interaktiven Terminal sein gewünschtes Ziel und die Anzahl der Fahrgäste eingeben und es spuckt eine Liste der verschiedenen Taxi Unternehmen mit den Festpreisen aus. Nach dem Buchen spuckt der Automat eine Bestätigung aus und man gesellt sich in die Wartezone, wo die Taxe ein paar Minuten später kommt.IMG_20150607_192043

Das Taxi, dass kam, um uns zu unserem Hotel zu bringen, hatte einen Fahrer der anscheinend noch nie Tetris gespielt hatte. Er versuchte erst kreuz und quer unsere Koffer in den Kofferraum zu stopfen. Als das nicht ging, versuchte er mit etwas mehr Kraft (oder mehr Schwung) die Tür zu schließen, was von einem Warnschrei meines Vaters unterbunden wurde, der einem Kampfschrei eines Wikingers in nichts nach stand. Nach einem Crashkurs in Automodulation (Rücksitze in einem andern Winkel verankern) und etwas Tetris Grundkurs haben wir dann auch alles in den Kombi bekommen und sind zum Hotel gefahren.

Hier begann abermals die große Verwirrung an der Rezeption und so langsam glaube ich, dass dies zur Scandic Firmenpolicy gehört, dass man Reservierungen nicht findet oder durcheinander bringt. Aber wir sind Mittlerweile erfahren genug und haben die passenden Signalwörter und Hinweise parat, um diese Verwirrung auf ein Minimum zu beschränken. Nachdem wir für nur 20 Minuten zwei Rezeptionistinnen an zwei Computern beschäftigt haben, hatten wir unsere Schlüsselkarten. Aber ich nehme mir fest vor, morgen nach dem Frühstück noch einmal nachzufragen, ob das auch alles so stimmt. Ich bin da etwas zu misstrauisch geworden. Jetzt ist es fast schon ein Uhr Nachts und ich habe irgendwie keine Lust mehr, wir sind immerhin von beinahe nördlichsten Punkt zum beinahe südlichsten Punkt Norwegens gereist. Da darf man das!

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