Die längsten Tage – Tag 02: Training Day

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Nach ein paar Stunden Schlaf, die sich nach viel zu wenig an gefühlt haben, habe ich mich am Frühstückstisch erst einmal an einem Kaffee festgehalten. Heute ist der letzte Tag einer Tagung von medizinischen Hilfmitteln für Behinderte (Rollstühle, Hausnotruf, etc) hier im Hotel. Mit dieser Masse von menschlichen Heuschrecken, die über das Frühstücksbuffet herfallen, mussten wir konkurrieren und haben dabei unterschiedlichen Erfolg.

Nach dieser morgenetlichen Konfrontation verließen wir das Hotel und betraten den Parkplatz. Hier wurden wir von einer eifrigen Politesse begrüßt und mir schwante Übles. Diese dunkle Vorahnung stellte sich nur wenige Momente später als berechtigt heraus, da ein länglicher gelber Zettel an unserem Scheibenwischer hing. Ich brauchte meine nicht vorhandenen norwegischen Sprachkentnisse nicht übermäßig zu strapazieren, um zu verstehen, dass ich gerade einen Strafzettel in Höhe von 500 Norwegischen Kronen (ca. 58€) bekommen hatte. Dabei hat mich die Inkarnation an Kompetenz, bei der wir gestern an der Hotelrezeption eingecheckt hatten, noch fröhlich darüber in Kenntnis gesetzt, dass dieser Parkplatz kostenfrei sei. Ich bin daraufhin der Politesse hinterher und habe sie auf den Strafzettel angesprochen. Diese verwies mich an die Rezeption, da die ja behauptet hatte, das Parken wäre kostenlos. Die Rezeption, die jetzt von jemandem anderes bemannt wurde, wusste von nichts der gleichen. Also verlagerte ich mich auf die Überlegung, wie ich diesen Strafzettel bezahlen sollte, alles andre würde sowieso zu nichts produktiven führen. Die Rezeptionistin meinte, wir sollten es doch einmal bei der Polizei probieren. Als wir die (endlich) gefunden hatten und der Polizist leicht genervt unseren Strafzettel anschaute, meinte der, wir sollten zum Rathaus gehen. Die Adresse sei ja auf dem Strafzettel und die Stadtverwaltung hätte den ja ausgestellt. Dort angekommen, fragten wir die Frau am Empfang und die erklärte uns, dass sie keine Möglichkeit hätte, das Geld anzunehmen. Wir müssten zu einer Bank gehen und das Geld überweisen. Freundlicherweise hatte sie noch eine ungefähre Wegeschreibung parat und schickte uns in die generelle Richtuing los. Nach kurzem Herumgesuche fanden wir eine Bank, aber nicht die uns Beschriebene und erläutertem einem Bankmenschen unser Dilemma. Der antwortete mit etwas, was mein Herz gleich frohlockend höher schlagen ließ, nämlich “Hmmmm, da muss ich nachfragen”. Wenige Minuten später kam er wieder und sagte uns, dass er dies nur könnte, wenn wir Kunden dieser Bank wären. Wir müssten zur einer Post und  auch er gab uns eine Wegbeschreibung, der wir jauchzend vor Euphorie gleich nutzten. Diesmal hatten wir schneller und mehr Erfolg, da wir die Post gleich auf Anhieb fanden. Die Kommunikation mit der Postfrau stellte sich allerdings als schwierig heraus, da sie nur brockenweise Englisch konnte. Aber mit Hand-Fuss-Kommunikation erklärte Sie mir, dass noch eine Bearbeitungsgebühr von 75 NOK (ca. 8,60€) hinzu kommen würde. Innerlich schrie ich Wort-Variationen, die sich auf die Firma Huk reimten heraus und äusserlich lächelnd reichte ich ihr die geforderte Summe. Die nächste und letzte Hürde war, dass ich nicht nur den Zettel unterschreiben, sondern auch meine Adresse aufschreiben sollte. Nachdem ich das kapiert hatte, war die Umsetzung auch einfach. Natürlich achteten wir anschließend überall peinlich genau darauf, einen Parkzettel zu kaufen.IMG_6535

So haben wir den Grossteil unseres Vormittages herum gebracht. Dann beschlossen wir unsere Tagesplanung fortzusetzen. Beim Felsbildmuseum Alta angekommen, flüchteten wir vor der Ankunft einer Bussladung von Spaniern zur Kasse. Wir bewaffneten uns jeder mit einem Audio Guide und stürmten zu den Felsbildern hinab. Was wir abermals nicht wussten und nur durch nachfragen später am Tag heraus gefunden haben, war die Tatsache, dass momentan ein Schiff mit 1800 Spaniern in Øksfjord ankerte, dem Hafen der norwegischen Küsten-Schiffahrtslinie Hurtigruten und Aberdutzende von Spaniern an Land warf. Diese wurden Welle für Welle, ich meine Gruppenweise, in Busse gepackt und dann hier zum Museum verfrachtet. Jede Gruppe bekam einen des Spanischen mächtigen Führer und marschierten dann etwas zeitversetzt los. Dies sollte verhindern, dass diese 30 Mann-Trupps den schmalen (keine 2 Meter breiten) geplankten Pfad verstopften. Doch abermal bewahrheitet sich der Spruch, “Kein Plan überlebt Feindkontakt”. Die Trupps verstopften den Pfad und wir waren mittendrin gefangen. Die Gruppenführer versuchten ihr Bestes, um die Lauthals miteinander schwatzenden Spaniern zu überschreien, während wir versuchten unseren Audio Guide zu hören.IMG_6573

Nach einer gefühlten Ewigkeit haben wir das Museum auf der Anhöhe wieder erklommen und hetzten in die Cafeteria, um uns an Kaffee und Kuchen zu laben. Beides ist hier sehr gut, aber der Kuchen ist mir zu süß. Generell ist mir hier vieles viel zu suß. Aber der Blick auf den Fjord macht dies alles mehr als wieder mehr als wett.

Ausgeruht erkunden wir die verschiedenen Ausstellungen in den Räumen des Museums, bis wir schlussendlich vor mittlerweile Spanier Trupp Nr. 15 (einfach zu erkennen an den Auflebern, die auf der Kleidung getragen werden) zu einen taktischen Rückzug gezwungen werden und zum Hotel zurückfallen. Unser Hotel liegt direkt neben der sehr schönen Nordlichtkirche, nur leider können wir diese nicht mehr von innen besichtigen, da sie schon geschlossen hat. Wir erkunden die nähere Umgebung unseres Hotels weiter, da entdecken wir die Speisekarte des hoteleigenen Restaurants. Hier gibt es unter anderem ein Filetsteak vom Rentier und da ich noch nie Rentier gegessen habe, habe ich sofort einen Antrag an den Königlichen Familienrat eingereicht, hier essen zu gehen. Nach kurzer Beratung wurde dieser Beschluss ratifiziert und wir haben ein vorzügliches Mahl in unserem Hotel eingenommen.

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